Multiple Sklerose

Die multiple Sklerose ist eine entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die den Datenfluß in den Nerven behindert.

 

Schauplatz des Krankheitsgeschehens bei der Multiplen Sklerose ist das Myelin oder die Markscheide der Nervenfaser. Entlang der Nervenfortsätze kommt es zu Entzündungen in der Markscheide. Bereits kleinste Entzündungsherde reichen aus, um die Myelinschicht nachhaltig zu beschädigen und zu verändern. Klingt die Entzündung ab, bleibt geschädigtes Gewebe zurück, das vernarbt und später verhärtet. In der Myelinschicht entsteht eine Plaque, ähnlich wie ein Narbengewebe nach einer Hautverletzung. Da bei der MS zahlreiche (multiple) Entzündungsherde mit anschließender Verhärtung (Sklerose) entlang der Nervenfasern entstehen, erhielt die Krankheit den Namen Multiple Sklerose. Die Ärzte nennen sie in der Regel Enzephalomyelitis disseminata (ED), was so viel heißt wie „in Gehirn und Rückenmark auftretende Entzündung“. Einzelne Entzündungsherde und die daraus entstehenden Plaques können zuerst winzig klein sein. Sie verursachen dann meist keine Beschwerden. Im weiteren Krankheitsverlauf fließen dann oft viele kleine Entzündungsherde zu einem größeren zusammen. Entmarkung wird dieser Prozess genannt. Betroffen sind fast ausschließlich das Gehirn und das Rückenmark. Die Schübe (entzündliche Phasen) können im Anfangsstadium unbemerkt verlaufen. Später machen sie neurologische Beschwerden. Ein typisches Frühsymptom sind beispielsweise Sprach- und Gehstörungen, Kribbeln und Missempfindungen in den Armen und Beinen, Doppeltsehen. Je weiter die Krankheit fortschreitet, desto stärker werden Körperfunktionen eingeschränkt: Bewegungsstörungen, Lähmungen, Gleichgewichtsstörungen, Störungen der Blasen- und Darm- sowie der Sexualfunktion gehören zu den häufigsten Symptomen der MS.

 

Nicht alle Krankheitsverläufe sind so schwer, dass die Betroffenen im Rollstuhl sitzen oder bettlägrig werden. Es lassen sich grob eingeteilt drei Gruppen unterscheiden:

 

Etwa ¼ der Patienten hat eine leichte Verlaufsform, bei der es nicht oder erst im späten Alter zu Behinderungen kommt.

 

Etwa die Hälfte der MS-Patienten hat einen mittelschweren Verlauf, bei dem es erst nach 20 bis 30 Krankheitsjahren zu deutlichen Behinderungen kommt.

 

Die dritte Gruppe, wiederum etwa ¼, erleidet einen schweren Verlauf mit frühen Behinderungen.

 

Die Krankheit kann in Schüben verlaufen mit anschließenden Ruhephasen, in denen oft eine Besserung oder eine Rückbildung der Ausfälle eintritt. Zum anderen gibt es eine fortschreitende Verlaufsform (chronisch progrediente MS) mit einer anhaltenden Verschlechterung und einer früh einsetzenden Behinderung.

 

Besonders junge Erwachsene erkranken an der Multiplen Sklerose, Frauen etwa doppelt so häufig wie Männer. Gehäuft tritt die Krankheit übrigens in Ländern zwischen dem 40. und 60. nördlichen Breitengrad und dem 30. bis 40. südlichen Breitengrad auf.

 

 

Diagnostik

 

Der erste Schritt bei der technischen Diagnostik ist die Untersuchung des Nervenwassers, der Flüssigkeit, die das Rückenmark umgibt. Charakteristisch für eine Erkrankung an MS ist das Vorhandensein von Entzündungswerten und Antikörpern im Liquor. Das Nervenwasser wird durch eine Lumbalpunktion gewonnen. Dazu wird eine Nadel in den Wirbelkanal im unteren Bereich der Wirbelsäule eingeführt und die Flüssigkeit abgesaugt. Die Punktion ist beinahe schmerzlos. Folgen können in wenigen Fällen Kopfschmerzen sein.

 

Ein weiteres Untersuchungsverfahren sind die Hirnstrommessungen auf optische, akustische und sensorische Reize. So lässt sich abschätzen, welche Nerven beeinträchtigt sind. Als bildgebendes Verfahren ist die Kernspintomografie geeignet, mit der sich die älteren und frischen Entmarkungen darstellen lassen.

 

Behandlung

 

Die Krankheit ist nicht ansteckend und nicht vererbbar. Wesentlicher Bestandteil der Behandlung ist die Entzündung in einem akuten Schub so schnell wie möglich zu stoppen, damit möglichst wenig Myelin zerstört wird. Hohe Kortison-Dosen während eines akuten Schubes können die entzündlichen Vorgänge schnell stoppen. Ein weiteres Therapieziel ist es, die schubfreie Zeit zu verlängern. Zum Einsatz kommen Substanzen, die Immunreaktionen unterdrücken (Immunsuppressiva) oder beeinflussen (Immunmodulatoren). Heute gilt eine Langzeitbehandlung als zweckmäßig. Bei einer frühzeitigen Behandlung lässt sich eine Chronifizierung hinauszögern. Der Behandlungserfolg lässt sich mit der Kernspintomografie gut überwachen.